Götter sind Schatten

Der hat ´nen Schatten!
Das ist ein bekannter Ausdruck aus meiner Jugendzeit, an den ich mich erinnert fühle, wenn ich einen gottgläubigen Menschen sehe.
Tja, so ist das nun.
Damals war der Satz: „Der hat einen Schatten“ bei mir anders beinhaltet als heute.
Damals: „Der ist nicht mehr ganz gar (im Kopf)“ oder: „Der hat sie nicht alle zusammen“ oder: „Der ist nicht zurechnungsfähig.“
Naja heute bin ich reifer, gesitteter und lache sehr gerne. Doch über den Satz: „Der hat einen Schatten“ kann ich nicht lachen.
Da fehlt mir (noch?) der Humor.
Heute sehe ich, dass ein Mensch mit Schatten in sich nicht vollständig ist und Mitgefühl kommt in mir auf.
Zudem müsste es richtigerweise heißen: Wer ein gutgläubiger Mensch ist, hat einen doppelten Schatten.
Denn: Wo ein Gott oder so was ist, da ist auch ein Teufel oder so was.
Denn: Ein Gott oder auch mehrere Götter können nicht ohne ihr entsprechendes Gegenteil sein.
Das ist ein Preis, ein hoher Preis, wenn ich es recht bedenke.
Der Teufel muss mindestens ähnlich stark sein wie (der) Gott.
Es kostet Kraft, sehr viel Kraft, dieses duale System aufrecht zu halten.
Doch Spaß muss sein, man will dem Guten dienen, auf der Seite des Guten sein, zum Guten werden, einfach gut sein. Dafür braucht man, naja, ich habe es schon gesagt… Damit es nicht langweilig wird, wiederhole ich mich hier nicht.

Heute ist mir bekannt: Der Mensch hat nicht nur einen Schatten, er hat mehrere. Nur einige wenige wissen davon und die wollen die Schattenwirtschaft sicherlich abschaffen.
Einen Schatten haben, heißt: nicht vollständig sein.
Einen Schatten haben heißt: aufgeteilt sein.
Einen Schatten haben heißt: entweder getrieben von einem Schatten oder gierig nach dem andere Schatten.
Doch damit kein Ende der menschlichen Vielfalt: Jeder Gott braucht ein Opfer, jeder Teufel gibt ein leeres Versprechen, an das man glaubt.
Man muss das Opfer opfern, man muss auf das Einlösen des Versprechens warten.
Und so geht es weiter und weiter.
Und wo ist der Mensch?
Da gibt es dann noch ein paar Idioten, die behaupten: „So ist der Mensch, er muss sich zwischen Gott und dem Teufel (was das auch jeweils sein mag) entscheiden.“ Oder andere Idioten, die sagen: „Der Mensch (im Mensch) ist Beides, Gott und Teufel.“ Wieder andere haben eine ganz schlaue Lösung gefunden: „Wir sind die göttlich Guten und Ihr seid die bösen Teufel o.ä.“

Ach ist das köstlich! Und welche riesengroßen Gestaltungsmöglichkeiten haben all diese religiösen, vielfachen Zweibeiner?

Dabei ist es wirklich nicht einfach, wieder alle beisammen zu bekommen.
Das kann Jahre dauern, verlangt Konsequenz, Ehrlichkeit und, man sollte es kaum glauben,
genau das, womit die meisten Menschen ihre Schwierigkeiten haben: Verantwortung und Liebe.

Es ist ein ganz großes Elend auf der Welt: Man bekommt nur wenig (einfach zu wenig) geschenkt.
Sogar für sich selbst muss man sich einsetzen.

Es stimmt übrigens: Dabei hilft kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun.

Erkenne Dich selbst.

Nichts im Übermaß.
Tu, was Du willst.

Keinen Gott zu haben zu wollen, ist eine Gott!
Doch wo ist hier der Teufel?
Ohhh, ohhh, ohhh.

 

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