Leerreich > ~ 500 Menschen

Freiheit, ich habe die Freiheit wieder.

5 Tage war ich mit rund 500 Menschen zusammen.
Habe wenig dafür bezahlt, wollte wissen, wie denn so der (wahrscheinliche) Durchschnitt der Bevölkerung lebt.
Ich habe es erfahren.
Ich habe den Test gemacht und viel erfahren.
Interessant und wirklich knochenhart.

Meine vorab unausgesprochenen aber gefühlten Vermutungen haben sich mehr als bestätigt.

– Sehr viele Schwangere (rund 20), mit (wahrscheinlichem) Erzeuger und viele Schwangere mit (wahrscheinlich) eigener Mutter oder Freundinnen.
– Sehr viele Smartphonenutzer, meist online oder das Gerät griffbereit auf dem Tisch, in der Jacke/Hose.
Wenn ich sehen konnte, was sie „spielten“, war es Facebook, seltener ein (kreatives?) Kriegsspiel.
– Etwa die Hälfte der Anwesenden sprachen miteinander: „Bringst du mir den Kaffee mit?“
So oder so ähnlich.
– Männliche russische muskelbepackte Schränke hatten sich mit ihren Frauen/Mädels/gekauften Bräuten/Gespielinnen hineingemengt und lockerten das allgemeine Bild auf.
– Eine dicke Frau haute sich ihr – aus drei Omelette bestehendes – Frühstück mit Orangensaft hinein.
Ab und zu lächelte sie mich breit und scheinbar glücklich an.
– Ich machte es ihr mit zwei hart gekochten Eiern nach.
– Kinder im Kleinkindalter robbten vergnügt über die glatten, wie für sie geputzten Böden. Ihre Mutter oder die Aufpasserin steht in beschützendem Abstand und mit glänzend – liebevollen Augen daneben.
Eine Horde SPD Frauen taten sich intensiv und reichlich gütlich an so manchem Bier. Das Smartphone griffbereit hinter oder neben sich liegend. Ihre Männer/Freunde/Partner gluckten klassengemäß wie Verschworene beieinander, diskutierten und belehrten sich gegenseitig, so, wie man es nur in der SPD tut und kann. (Ich kenne die Art des Umgangs selbst, weil ich, ja, weil ich … früher, viel früher…. Naja, das war einmal. Ich war…. Als ich noch an Märchen glaubte.)

Kleinkinder entdeckten sich gegenseitig, kreischten oder weinten oder lachten sich über die Entfernung von zwei bis sieben Metern an.
Wie Kinder es eben so tun.
Alles was ich sah, war sooo grau, mich packte immer wieder der Ekel und manchmal auch das Grauen.

Schließlich sprach das kluge innere Wissen die Bezeichnung für diese Population aus:
„Das ist die Facebookgeneration.“

Die meisten Nahrungsmittel waren auf einem essbaren Niveau, der Kaffee war ab der Stufe Espresso sehr gut genießbar. Ansonsten mittlere bis elendige Qualität, geschmacklos oder für meine Zunge versalzen, die Frühstückseier offensichtlich aus Massentierhaltung.
Man kann der Facebookgeneration vielfarbige (rot, mint, grün, grau) Zimmer zuweisen. Die auch hier vorhandene, doch anders geartete Geschmacklosigkeit, fällt wahrscheinlich nicht sonderlich auf oder sie finden das inspirierend. Die Farben waren in geschmacklicher Verwandtschaft zu den Grundfarben des Hotel-Unternehmens ( in etwa marineblau) gehalten. Ich finde, das ist ein Kunststück, pinkfarben so zu „stimmen“, dass sie an diese relativ satte Farbe erinnern.

Fast alles war grau oder angegraut, jedenfalls lieblos.
Uninspiriert und in der Folge uninspirierend, manchmal einfach eklig.


Nein, es war kein Traum und erst recht kein Albtraum. Es war Realität, so wie sie mir ins Auge sprang.
Das war ein Einblick in das Leben, das Genussverhalten und in die Freizeit vieler Mitbürger.
Diagnose: Ein glückliches Sklavendasein ohne Ketten, aber mit Facebook.


Nur wenige Zweibeiner stachen (wie es die statistische Normalverteilung verlangt) hervor.
In Kleidung, im Essverhalten, in austauschender Kommunikation, in spürbarer und gegenseitiger Akzeptanz).


Michael Ende hatte es schon vor Jahren beschrieben.
In „Momo“ das mit den Grauen Männern, etwas anders akzentuiert, jedoch….
Tot und unlebendig bleibt tot und unlebendig?
Ob ich hoffe oder befürchte, ist mir noch nicht ganz klar.

Oder ist das nur in mir selbst, meine Skorpionsicht auf Menschen und Dinge?
Es sieht so aus, dass es wirklich war und weiterhin so ist und vielleicht noch flacher, geschmackloser, fader werden könnte.
Ich sehe und beobachte es.

Selten schwinge ich innerlich mit, dann bin ich der nicht vollständige Beobachter.

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